Heute ab 12 Uhr beginnt der 1. Wahlgang der Bundespräsidentenwahl, ab 14 Uhr ein eventueller 2. und voraussichtlich ab 17 Uhr ein dritter.
In den ersten beiden Wahlgängen ist eine absolute Mehrheit, d.h. 613 der 1224 Wahlmänner der Bundesversammlung benötigt, im 3. Wahlgang entscheidet die relative Mehrheit.
Hier die Verteilung der Sitze:
Einer von der Linken kann nicht teilnehmen, hat nen Herzinfarkt gehabt. Damit bleiben bei den Linken noch 89. Peter Sodann und der rechte Kandidat (3 NPD + 1 DVU) dürften keine Chance haben.
Zusammen mit den 10 der Freien Wähler könnte es Horst Köhler also denkbar knapp schon im 1. Wahlgang schaffen, zusammen hätten sie 614 Stimmen.
Letztes Jahr konnte Gesine Schwan noch 9 Stimmen aus dem bürgerlischen Lager zu ihr ziehen. Heute dürfte ihr dies schwerer fallen, denn eine sehr knappe Mehrheit diszipliniert.
Allerdings kommen individuelle Überlegungen der einzelnen Fraktionen bzw. einzelner Abgeordneter taktische Abstimmungen möglich machen.
CDU/CSU: Wird Horst Köhler nicht im 1. Wahlgang gewählt, ist dies zumindest eine Blöse für Merkel. Würde Gesine Schwan gewinnen, dann hätte die Union bis zur Bundestagswahl einerseits das Thema Linkskoalition, anderseits könnte ein solches Ergebnis auch Rot-Grün beflügeln.
FDP: Die meisten wollen wohl Köhler, der ja zum Teil auf einen Vorschlag von Westerwelle zurück geht, und wollen auch perspektivisch Schwarz-Gelb.
FW: Wollen eigenständig sein, aber sie haben vor der Wahl erklärt, geschlossen für Köhler abstimmen zu wollen. Fehlende Stimmen würde man ihnen nicht ankreiden, aber auch nicht zurechnen. daher sehe ich keine übergeordneten Motive, nicht für Köhler abzustimmen.
SPD: Siehe Union spiegelverkehrt. Einerseits will man nicht im Wahlkampf die gesamte Zeit gegen das Thema Linkskoalition anrennen müssen, anderseits würde ein Sieg wohl beflügeln.
Bei der SPD könnte ich mir noch am ehesten Abweichler vorstellen. Heiner Brand soll sowieso für Köhler, spätestens in einem 2. Wahlgang, stimmen wollen. Die "Gefahr" von Abweichlern sehe ich insgesamt gar nicht so sehr bei den nicht-Bundestagsabgeordneten, sondern gerade bei taktisch wählenden Bundestagsabgeordneten.
Grüne: Eine Frau soll, analog zu Brand, auch für Köhler stimmen wollen. Ansonsten besteht bei Teilen der Grünen wohl ein ähnliches Interesse, Diskussionen über eine mögliche Linkskoalition auszuschließen. Dieses Thema wäre anderseits den Grünen vielleicht gar nicht so unrecht, da es am meisten auf Kosten der SPD gehen dürfte, die Grüne könnte davon gewinnen.
Linke: Sollte Peter Sodann nach einem der ersten beiden Wahlgang zurück ziehen, wird man wohl für Gesine Schwan stimmen. Sie hat zwar viele bei der Linkspartei verkrätzt, aber ein Thema Linkskoalition oder Vermutungen über eine uneinige SPD, welche für Horst Köhler stimmt, könnten ihr Helfen.
NPD/DVU: Ihr Sänger wird wohl keine Chance haben, ich schätze sie so ein, dass sie nicht zurück ziehen und ihn durchgängig Wählen. Ansonsten könnten sie zum Zünglein an der Waage werden.
2 Freie: sind nicht einzuschätzen.